W e i h n a c h t s d u f t
Du liegst wohlig im Bett, der Himmel schwankt zwischen Winternacht und Morgenblau, da kriecht ein Geruch in deine Nase. Tannenbaumnadeln. Herb und süß und wie früher, als du klein warst und am Weihnachtsmorgen unter dem Berg voll Federbett lagst und der Christbau nebenan lockte und die ausgepackten Geschenke darunter. Und du fühlst, alles ist richtig alles ist ganz. Du denkst an die vielen Weihnachten danach, die nicht alle schön waren, aber die Gerüche sind geblieben.
Die Gerüche sind deine Heimat, dein Seelenkissen. Der Geruch von Schnee am Morgen, Wunderkerzen und Maronen, ein angerissenes Streichholz, der Geruch der Parfums der Damen in der Mitternachtsmette, Puter und Wachs, Mistelzweige über der Tür, Schokoriegel und Räuchermännchen. Das alles kannst du auch jetzt riechen, deine Erinnerung hat es gespeichert. Und du fühlst dich geborgen darin, und plötzlich fragst du dich, ob Gott wohl einen Duft hat.
Ob man ihn, wenn denn schon nicht sehen, so doch vielleicht riechen kann. Und du brauchtest nur einzuatmen.
Susanne Niemeyer
Quellen:
Text - Der Andere Advent - www.anderezeiten.de
Bild - Sigrid Rossmann - www.pixelio.de



