Wartekunst als Lebenskunst.


Wenn man warten muss: Das ist etwas Lästiges.
Wenn man warten kann: Das ist etwas Großartiges.
Wer auf etwas Schönes wartet, der ist gespannt auf das, was da kommt: Freudige Erwartung. Die fühlt sich ganz anders an als das bange Warten auf irgendetwas Unheimliches oder Bedrohliches. Wer auf etwas Schönes warten kann und dabei gelassen bleibt, hat ein Stück Lebenskunst gelernt: Das Warten macht das Schöne ja meist nur noch schöner. Die Adventszeit lehrt uns die hohe Lebenskunst des Wartens: Wartekunst.
Wer warten kann, der merkt: „Ich habe noch Zeit.“
Gelassen warten zu können: Das ist eine Erfahrung der Freiheit.
Wann haben Sie das zuletzt gehört, dass jemand das gesagt hat:

„Ich habe Zeit.“?

Wann haben Sie das selber zuletzt gesagt:

„Ich habe Zeit.“?

Heute, am Ersten Advent, da beginnt die große, schöne Wartezeit: Wie schön, wenn uns das gelänge: In aller Ruhe und Gelassenheit das Weihnachtsfest, das Christfest auf uns zukommen zu lassen. In freudiger Erwartung. Aber trotzdem in Ruhe. Vier gelassene und ruhige Schritte hin zu dem, der aus der Ewigkeit heraus immer wieder neu in unsere Zeit hineinkommt. Er verwandelt unsere Zeit – in aller Ruhe.

Martin Weeber


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