„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe“ (Psalm 24,7), so werden wir wie jedes Jahr am ersten Advent beten. Gemeint waren die Tore des Tempels und gesungen wurde dieser Psalm zur Thronbesteigung des königlichen Herrschers, der vor der Bundeslade ging und Zugang zum Tempel fordert. Sein Losungswort: „Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.“
 
In der christlichen Tradition wurden aus den Toren des Tempel „meins Herzens Tür“, das sich dem „Heiland Jesu Christ“ öffnet: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Auch hier gibt es ein Losungswort, das sich einem Kehrreim gleich wiederholt: „Gelobet sei mein Gott, mein Heiland, mein Tröster, mein Gott.“
 
In diesem Jahr werden dieses Lied und dieser Psalm für Lukaskirchengemeindemitglieder noch einmal eine besondere Bedeutung haben. Nach sechs Monaten öffnet die Lukaskirche wieder ihre Türen und die Gottesdienstgemeinde wird in einen neuen Raum einziehen.
 
Für mich als Pfarrer war es in den vergangenen Wochen und Monaten eine Wohltat mit wie viel Engagement und Leidenschaft der Baufortgang und die Veränderungen in der Lukaskirche diskutiert und kommentiert wurden. Die Lukaskirche wird geliebt. Sie ist Heimat. Viele Menschen fühlen sich mit ihr verbunden. Ein Zeichen dafür ist auch das fiktive Spendenbarometer, auf dem wir das Plansoll weit übertroffen haben. 36.000 Euro waren anvisiert – am Ende werden es fast 50.000 Euro sein. Der Wirtschaftskrise zum Trotz.
 
Nun ist die Lukaskirche fertig. Nicht allen wird alles gefallen. Das aber war vorher nicht anders. Aber: So wichtig der Kirchenraum auch sein mag, letztlich bleibt sein Aussehen zweitrangig. Für uns Evangelische ist er weder heilig noch der Boden geweiht. Er ist zunächst ein Raum wie jeder andere - „Traditiones humanas“ – menschliche Tradition, und so mit veränderlich, fehlerhaft und unvollkommen. Entscheidend ist vielmehr, welcher Geist in dieser Kirche weht und „wessen Geistes Kind“ die Menschen sind, die in ihr singen, beten und feiern. Wichtig ist, welcher Segen auf den Gottesdiensten liegt und die Botschaft, die zu Wort kommt. Dies und unsere Antwort - unser Glaube an Gott, unser Gesang und unser Gebet - lässt die Lukaskirche erst heilig werden.
 
Wenn sich also am 29. November die Türen öffnen – die der Lukaskirche und die unserer Herzen gleichermaßen – wird es auf die Losung ankommen, die wir auf den Lippen haben. Gebe Gott, dass es dieselbe ist wie vor 3.000 und vor 400 Jahren. „Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.“ „Gelobet sei mein Gott, mein Heiland, mein Tröster, mein Gott.“
 
Ihr Pfarrer Jens Keil

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