Zur Besinnung kommen
Besinnliche Advents- und Weihnachtszeit?
"Besinnliche Weihnachtszeit" wünscht man sich zu dieser Zeit und meint damit wohl ein ruhiges und beschauliches Weihnachtsfest. Selten allerdings klaffen Wunsch und Wirklichkeit für viele Menschen so weit auseinander, als wenn es darum geht, die Weihnachtszeit "besinnlich" zu gestalten. Vielmehr scheinen Hektik und Atemlosigkeit in dieser Zeit besonders spürbar.
Nun – ich bin ein Pfarrersohn und kenne es gar nicht anders, als dass der Puls in dieser Zeit schneller geht. Schon in meiner Kindheit war ich bei jedem Krippenspiel dabei und habe die Nervosität genossen. Natürlich hat auch die Angespanntheit meines Vaters auf zuhause abgefärbt. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob mir eine "besinnliche Weihnachtszeit" im landläufigen Sinne gefallen würde. Ich mag es, diese angespannte und manchmal auch hektische Vorfreude. Nun – auch von den Hirten heißt es ja, dass sie es eilig hatten, um das Kind in der Krippe zu finden. Wer kann schon ruhig bleiben, wenn das darum geht, den menschgewordenen Gott zu finden?
Aber vielleicht meint der Wunsch einer "besinnlichen Weihnacht" mehr als nur Ruhe und Beschaulichkeit. "Zur Besinnung kommen" ist die Überschrift über dieser Andacht und gemeint ist damit, dass ein klarer Gedanke gefasst werden soll und man weiß, worauf es ankommt. Das kann – muss aber nicht - in der Ruhe geschehen - schließlich ist man in angespannten Situationen besonders klar und konzentriert. In diesem Sinne: Weihnachten kann uns zur Besinnung bringen.
Andererseits zum Ersten: Wer ist nicht "von Sinnen", wenn die wahre und tiefe Bedeutung des weihnachtlichen Geschehens sich offenbart. Man wird wohl kaum annehmen, dass die Hirten bei klarem Verstand waren, als ihnen die himmlischen Heerscharen die frohe Botschaft verkündeten. Berauscht werden sie gewesen sein, hingerissen, mitgerissen von dem, was sie sahen. Wenn sich der Himmel öffnet, kann Rationalität dem Glauben allenfalls hinderlich sein.
Andererseits zum Zweiten: Weihnachten hat auch etwas mit dem 7. Sinn zu tun. Damit bezeichnen wir die Wahrnehmungen, die wir mit unseren üblichen Sinnesorganen nicht erfassen können. Die eigentliche Bedeutung der Heiligen Nacht erschließt sich wohl nur dem Glaubenden - dem also, der nicht nur seinen fünf Sinnen traut.
Gemeint ist aber vielleicht auch eine be-"sinnliche Weihnacht". Schließlich gibt es kaum eine Jahreszeit, in der in gleicher Weise alle Sinne angesprochen werden wie in dieser Weihnachtszeit: Kerzen und Lichter erleuchten die Nacht. Die Nase erfreut sich der Gerüche in der Küche und auf dem Weihnachtsmarkt. Manchmal schon zu laut sind an allen Ecken Weihnachtslieder zu hören. Weihnachten ist eine Ganzkörpererfahrung.
Letztlich meint der Wunsch einer "besinnlichen Weihnacht" in meinen Ohren vor allem, dass wir den Sinn der Weihnacht erfassen: Der Heiland ist geboren, der Mensch und Welt heil werden lässt, der zusammenfügt, was zerr




