Zur Besinnung kommen


Ökumene mit Profil und Identität

Es war der erste ökumenische Kirchentag, der Ende Mai in Berlin stattfand. Katholische und evangelische Christinnen und Christen feierten für fünf Tage ein Fest des Glaubens. Es waren unvergessliche Tage mit wertvollen Begegnungen und Eindrücken.

Der Kirchentag war ein Moment echter Ökumene. Im gegenseitigen Respekt - wenn auch mit Bedauern - wurden die Unterschiede deutlich. Als langjähriger Kirchentagsbesucher vermisste ich schmerzlich das Abendmahl im Schlussgottesdienst. Brot und Wein in der Gemeinschaft mit 80.000 Christinnen und Christen zu teilen, war immer ein heiliger Moment. Es war der Papst, der in einer Enzyklika zur Eucharistie das gemeinsame Abendmahl verhinderte.

Der Kirchentag war ein Moment echter Ökumene. Dialog bedeutet, dass zwei Seiten sich respektvoll - der eigenen Identität bewusst - über jeweilige Glaubenstandpunkte austauschen und etwaige Differenzen aushalten. Übereinstimmung darf weder Voraussetzung noch zwangsläufiges Ziel des Dialogs sein. Die Vielfalt ertragen ist eine Grundkompetenz in einer pluralen Gesellschaft.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass in der breiten Bevölkerung Ökumene nur deshalb en vogue ist, weil man den eigenen Glauben und damit auch die Unterschiede nicht mehr kennt. Wenn die Evangelischen aber nicht mehr wissen, was evangelisch ist, dann hat unsere Kirche jegliche Identität und jegliches Profil verloren. Dann ist auch jeglicher Dialog beendet, denn worüber sollten wir auch reden.

Für den evangelischen Glauben ist das allgemeine Priestertum grundlegend. Der Glaube, dass jeder getaufte Christ "Priester, Papst und König" ist (Martin Luther) und damit höchste Autorität in Glaubensbedingen, kann von der katholischen Amtskirche nicht akzeptiert werden. Während für die Evangelischen die sichtbare Kirche nur eine Verwaltungsgröße ist und allein die Schrift bindend im Glauben, haben für katholische Christinnen und Christen Kirche und Papst Autorität in Glaubensdingen. Deshalb muss es ein vom Papst über den Bischof geweihter Priester sein, der die Eucharistie zelebriert. Dementsprechend kann auch nur ein Mitglied "der einen katholischen Kirche" am Abendmahl teilnehmen.

In gewissem Sinne sollten wir Papst Johannes Paul II dankbar sein, denn er hat für Klarheit gesorgt und uns die Unterschiedlichkeit der Positionen neu bewusst gemacht. Deutlich wurde das zum Beispiel in der Diskussion, die die Jugendmitarbeiterinnen und -mitarbeiter im Vorfeld der Jungscharfreizeit geführt haben. Dürfen wir Abendmahl als Thema für die Jungscharfreizeit auswählen, wenn wir dadurch katholische Kinder unter Umständen ausschließen? Selten wurde in der Jugend der Lukasgemeinde so intensiv theologisch diskutiert.

Auch wenn es nur den einen Gott gibt, so ist er doch zu wunderbar und zu phantasievoll, als das alle Menschen den gleichen Zipfel von ihm erhaschen. Diese Unterschiedlichkeit gilt es auszuhalten, und manchmal gilt es auch, sich abzugrenzen. Was innerhalb einer Kirchengemeinde Aufgabe ist, das Aushalten unterschiedlicher Glaubenssichtweisen, hat auch zwischen den Konfessionen zu geschehen. Aber nur wer eine Glaubensidentität hat, ist fähig zum Dialog. Nur wer die Unterschiede kennt, kann sich dem anderen annähern. Finden wir heraus, was evangelischen ist, dann werden wir auch ökumenisch.



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