Posaunenchor der Lukasgemeinde Gerlingen

Sollen wir es wagen? Diese Frage beschäftigte Pfarrer Mattes und den Kirchengemeinderat der Lukasgemeinde lange, bevor im Juni 1970 ein eigener Posaunenchor gegründet wurde. Man wollte diese in der Landeskirche vorhandene breite Tradition aufnehmen, weil darin auch die Chance für eine verantwortungsvolle Jugendarbeit gesehen wurde.

Pfarrer Mattes und Ulrike Born

Begonnen wurde mit 10 Bläserinnen und Bläsern. Die Chorleitung übernahm Pfarrer Mattes als geübter Posaunenbläser selbst. Für die damalige Zeit äußerst unüblich war der Entschluss, auch Mädchen für den Chor zu gewinnen, da es sonst in der relativ kleinen Lukasgemeinde nicht möglich gewesen wäre, eine ausreichende Chorbesetzung hinzubekommen. Ulrike Born gehört als eine der drei Gründungsbläserinnen dem Chor heute noch an.

1971 fanden erste Kontakte mit dem Posaunenchor von Bammental bei Heidelberg statt, dem der Posaunenbläser Eckart Scholl bis zu seinem Zuzug in den Gehenbühl angehörte. Über viele Jahre trafen sich beide Chöre des Öfteren an verlängerten Wochenenden zum gemeinsamen Üben und zur Gestaltung von Gottesdiensten in Bammental und im Gehenbühl. Dabei kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz, wie der Filmbericht über das am 1. Mai 1972 zwischen den Posaunenchören Bammental und Gerlingen-Gehenbühl ausgetragene Fußballspiel beweist.

1972 nahm der Chor zum ersten Mal am Landesposaunentag in Ulm teil.

 

Aufgrund intensiver Nachwuchsarbeit wuchs die Bläserzahl in relativ kurzer Zeit auf 25 Mitglieder an. Junge Damen und Mädchen bildeten bald mehr als die Hälfte des Chors, was über lange Zeit so blieb. Viele Bereiche taten sich auf, in denen das Gemeindeleben musikalisch bereichert wurde, wie etwa beim Herbstbazar der Lukasgemeinde im September 1974:

Zusammen mit dem ehemaligen Instrumentalkreis der Lukasgemeinde war der Chor in den Jahren 1973 und 1975 auf Sendfahrt in Diasporagemeinden am Tegernsee bzw. Chiemsee. 1973 und 1974 wurde die Kirchengemeinde in Vesoul, 1977 die Kirchengemeinde in Valentigney in Frankreich besucht. 

 

Vielen in Erinnerung ist noch das erste selbst organisierte Bläserwochenende im April 1978 in Heimerdingen. Den Dirigentenstab schwang stellvertretend für Herrn Mattes Elfriede Wiesner (später verh. Linsbauer), Bläserin der ersten Stunde und seinerzeitige Organistin unserer Gemeinde. Für das leibliche Wohl sorgten küchenbegabte Bläserinnen und Bläser. Großen Zuspruch fand der am ersten Tag servierte zünftige „Gaisburger Marsch“.

1978 - Bläserwochenende in Heimerdingen

Im September 1978 verließ Pfarrer Mattes die Lukasgemeinde. Er übergab die Chorleitung an Elfriede Wiesner.

 

Als Nachfolger von Herrn Mattes wurde im April 1979 Pfarrer Utz eingesetzt. Erfreut vernahm der Chor, dass Herr Utz Trompetenbläser war.

1979 - Begrüßnungsständchen für Pfarrer Thomas Utz

Als ausgebildete Musikerin und angehende Pädagogin hob Elfriede Wiesner das Niveau des Chors weiter an und baute ihn mit weiteren Bläserinnen und Bläsern aus.

Die 80er

1980 - Der Jubiläumschor

1980 stand das 10-jährige Chorjubiläum an. Der Jubiläumstag wurde mit einem Festgottesdienst eröffnet, dem sich ein bunter Nachmittag anschloss. Mit dabei waren auch einige Bammentaler und Pfarrer Mattes. Mit zwei an diesem Tag erstmals gesanglich dargebotenen Bläserstücken betrat der Chor Neuland und lieferte einmal mehr den Beweis für seine musikalische Vielfältigkeit.

Linkes Bild: Die Pfarrer Utz und Mattes

Rechtes Bild: Das gesungene Bläserstück

Auf musikalisch unüblichem Terrain bewegte sich der Chor erfolgreich auch beim Mitarbeiterabend 1981 mit einer Skiffleband, in der Schlauchtrompeten, Kämme, Waschbretter, Waschmitteleimer und ein Holzkistenbass zu Einsatz kamen.

Die vielen Treffen mit dem Bammentaler Posaunenchor hatten Folgen. Im Jahr 1981 heiratete die Dirigentin unseres Chors einen Bammentaler Bläser. Pfarrer Utz traute das Paar in der Lukaskirche. Ein gewaltiger Chor aus Gehenbühler und Bammentaler Bläsern ließ die Lukaskirche erzittern. Eingeleitet wurden die Hochzeit ein paar Tage zuvor mit einem deftigen Polterabend in Bammental, bei  dem natürlich auch die Musik ihren angemessenen Platz fand.Die Freude über den zusätzlich gewonnenen Bläser hielt leider nicht lange. Beide verließen Gerlingen nach kurzer Zeit aus beruflichen Gründen.

 

Pfarrer Utz übernahm das vakante Dirigentenamt. Ihm gelang es wiederum etliche Jungbläserinnen und -bläser zu gewinnen. Mit der präzisen Ausbildung, die sie durch ihn erhielten, waren sie bald eine wertvolle Verstärkung für den Chor. Wiederholt traten sie auch, geringfügig unterstützt durch „gestandene“ Bläser, als eigenständige Gruppe auf. So geschehen beim Mitarbeiterabend im Januar 1987.

 

1987 - Video Jungbläser Mitarbeiterabend

 

 

Chor mit Beate Zimmermann

Verständlicherweise war es Pfarrer Utz aufgrund seiner vielen Amtspflichten nicht möglich, dem Chor auf längere Distanz vorzustehen. Die seinerzeitige Organistin der Lukasgemeinde Beate Zimmermann fand sich schließlich zu dessen Weiterführung bereit.

In ihre Zeit fiel im Jahr 1985 die zweite Hochzeit eines Bammentaler Bläsers und einer Gerlinger Bläserin. Wie schon im Jahr 1981 ging auch dieser Hochzeit ein ausgelassener Polterabend in Bammental voraus, den von dem Lukasposaunenchor und dem Bammentaler Posaunenchor musikalisch eröffnet wurde. Der von Pfarrer Utz in der Lukaskirche abgehaltene Traugottesdienst wurde wiederum von beiden Chören eindrucksvoll mitgestaltet. Da das junge Paar ebenfalls nach seiner Hochzeit Gerlingen verließ, hatte der Chor erneut einen heiratsbedingen Verlust zu verkraften.

 

Im Sommer 1986 nahm der Chor an den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der evangelischen Kirche in Egyhazáskozár teil. Dieser Ort in Ungarn war bis zu ihrer Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg Heimat einiger unserer Gemeindeglieder, die maßgeblich zum Aufbau der Lukasgemeinde beitrugen und auch die Gründung des Posaunenchors nachdrücklich unterstützten. Der Chor bereicherte mit seiner Musik den bewegenden Festgottesdienst und das sich daran anschließende bunte Gemeindefest.

1986 - Chor in Egyhazáskozár

1988 standen Kirschkau und Lössau auf dem Plan, unsere Partnergemeinden in Thüringen, damals noch DDR. Sämtliche Autos mit Insassen passierten nach den üblichen Kontrollzeremonien die Grenze bis auf jenes von Herrn Utz. Die sich in seinem Wagen befindenden vier Blasinstrumente wurden beschlagnahmt und in der Grenzstation bis zur Ausreise eingelagert. Offensichtlich sollte das Musizieren unterbunden oder zumindest behindert werden. Doch der Posaunenchor aus der benachbarten Stadt Schleiz lieh entsprechende Instrumente und die Gottesdienste in den Kirchen von Lössau und Kirschkau konnten wie vorgesehen stimmungsvoll musikalisch umrahmt werden. Selbstverständlich wurde der Aufenthalt auch für Ausflüge in die nähere Umgebung genutzt. Ganz besonderes Interesse fand die Besichtigung der Stadt Weimar mit ihrem beeindruckenden kulturellen Erbe.

1988 - Lössau

1988 - Kirschkau

Im Juli 1989 wurde Pfarrer Utz aus der Gemeinde verabschiedet, ein Jahr später trat Herr Boy die Pfarrstelle an.

Die 90er

Im Mai 1992 feierte die Lukasgemeinde ihr 25-jähriges Bestehen. Der Festgottesdienst wurde von unserem Chor und dem Posaunenchor des CVJM Gerlingen eindrucksvoll mitgestaltet. Beim sonnenbeschienen nachmittäglichen Gemeindefest trug der Lukaschor mit flotten Volksweisen zur Unterhaltung der Besucher bei.

 

Unvergessen bleibt das Ende April / Anfang Mai 1994 gemeinsam verbrachte Wochenende  in Unterjoch im Allgäu. Die wettermäßig wunderschönen beiden ersten Tage luden zum Musizieren im Freien und zu Ausflügen in die Berge ein. Ein krasser Kälteeinbruch hatte am letzten Tag heftigen Schneefall zur Folge, was den Chor am 1. Mai zum Spielen von Weihnachtsliedern auf der Hausterrasse veranlasste.

1994 - Chorfreizeit in Unterjoch

Im Januar 1995 schrieb der Posaunenchor Mitarbeiterabendgeschichte, in dem er seinen vielfältig vorhandenen künstlerischen Fähigkeiten freien Lauf ließ. Aufgeführt wurde die selbst kreierte Westernpersiflage „Westwärts zieht das Rind“.

 

Sein 25-jähriges Jubiläum im Jahr 1995 verband der Chor mit dem Sommerfest der Lukasgemeinde. Gehenbühler und Bammentaler Bläserinnen und Bläser gaben dem Gottesdienst die festliche Note. Zu Gast war auch Pfarrer Mattes, der nachmittags eine Ehrenrunde dirigieren durfte.

1995 - 25 jähriges Chorjubiläum

Im Dezember 1995 gab der Chor mit zwei Stuttgarter Sängergemeinschaften sein erstes Konzert auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Die jährlich stattfindenden Konzerte sind inzwischen Tradition. Seit einigen Jahren beteiligen sich auch Bläserinnen und Bläser des CVJM-Posaunenchors Gerlingen daran.

 

Nach vielen Jahren äußerst angenehmer, intensiver und fruchtbarer Zusammenarbeit verabschiedete sich Beate Zimmermann im Jahr 1996 aus der Lukasgemeinde und trat das Amt der Kantorin in der Petrusgemeinde Gerlingen an.

 

Der Berufstrompeter Jerry Ringo, der schon einige Jahre die Jungbläser in der Lukasgemeinde ausbildete, übernahm die Posaunenchorleitung. Er führte verstärkt in die moderne Posaunenchorliteratur ein.

 

Mit dem kabarettistisch einfallsreich umgesetzten Thema „Kirche im Jahr 2000+X“ ließ der Posaunenchor den Mitarbeiterabend 1997 wiederum zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung werden.

 

Mit Morgenmänteln bekleidet unterstützte der Chor im April 1999 auf dem Gerlinger Marktplatz die unter dem Motto „Bitte ein Bett“ laufende Unterkunftswerbung für den Deutschen Kirchentag in Stuttgart.

 

1999 - Werbung für den Deutschen Kirchentag in Stuttgart

Im selben Jahr noch gab Jerry Ringo das Dirigentenamt ab.

Ein neues Jahrtausend beginnt

Im Jahr 2000 trat Ulrich Baldauf die Nachfolge an. Auch er war Berufsmusiker und trug wie seine Vorgänger zur merkbaren Erweiterung der musikalischen Kenntnisse und Fähigkeiten des Chors bei. Ebenfalls war ihm die Jungbläserausbildung ein Anliegen. Als besondere Ereignisse mit Beteiligung des Posaunenchors während seiner Amtszeit sind zu nennen die Verabschiedung von Pfarrer Boy und die Einführung von Pfarrer Keil im Jahr 2002, die Teilnahme am 250. Kirchenjubiläum unserer Partnergemeinde in Kirschkau im Juni des Jahrhundertsommers 2003 sowie das 40-jährige Jubiläum der Lukasgemeinde im Juni 2007.

2003 - 250 jähriges Kirchenjubiläum in der Partnergemeinde Kirschkau

Herr Baldauf beendete seine Chorleitertätigkeit nach 9-jähriger Dauer Ende 2008.

Bernhardt Klein

Seit September 2009 ist Bernhardt Klein neuer Posaunenchorleiter. Es waren die Nachtklänge im Mai als der Nussdorfer Bläserkreis unter seiner Leitung und auf Vermittlung von Ulrich Baldauf in der Lukaskirche spielte.

 

Bei einem Plausch im Anschluss an das Konzert kam der Kontakt zustande und Bernhardt Klein hatte - oh Wunder - freitagabends, an dem üblichen Probentermin des Lukas-Chors, noch keine Verpflichtung (was sich im selben Moment änderte).


Bernhardt Klein begann mit 10 Jahren Trompete zu spielen und spielte bald in den unterschiedlichsten Ensembles der Tübinger Musikschule (Blas- und Sinfonieorchester, Bläser-Ensembles, Bigband). Nach seinem ersten Studium übte er 20 Jahre lang seinen Beruf als Programmierer und Computeradministrator aus, war jedoch ständig als Trompeter und Gitarrist bei diversen Jazz- und Salsaformationen unterwegs. 2006 entschied er sich endlich  für die Musik als Hauptberuf und absolvierte erfolgreich ein Studium  in Elementarer Musikpädagogik (EMP) an der Musikhochschule Mannheim. Nebenher studierte er Jazztrompete an der Musikhochschule Stuttgart.

 

Mit seiner exzellenten Probengestaltung konnte Bernhardt Klein den Qualitätsstandard des Chors bereits innerhalb eines Jahres deutlich anheben. Der Chor schätzt seine sehr gut vorbereiteten, intensiven, abwechslungsreichen und zielstrebigen Übungsstunden, in die er auch viele seiner praktischen Erfahrungen als langjähriger Blechbläser einfließen lässt.

Das 40 jährige Jubiäum

Im Juni 2010 wurde der Posaunenchor 40 Jahre alt. Er feierte diesen Anlass am 23. Oktober 2010 in der Lukaskirche im Rahmen der Konzertreihe „Nachtklänge“. Mit Musikstücken aus den Epochen der jeweiligen Chorleiterinnen und Chorleiter sowie Beiträgen in Wort und Bild wurde kurzweilig an die vergangenen 40 Jahre erinnert. Unter den zahlreichen Konzertbesuchern befanden sich auch viele ehemalige Bläserinnen und Bläser mit teilweise weiter Anreise. Nicht nur die Chormitglieder haben sich darüber gefreut, dass unter den Gästen auch Bammentaler Bläser mit ihrem früheren Dirigenten Gerhard Lange sowie die ehemaligen Pfarrer und Chorleiter Thomas Utz und Hans Mattes, der Gründer des Posaunenchors, begrüßt werden konnten. Das anschließende gemütliche Beisammensein im Gemeindesaal führte zu regem Gedankenaustausch und war für viele erst einige Zeit nach Mitternacht beendet.

Am Ende nicht unerwähnt bleiben sollen die ungezählten Einsätze des Chors in den Gottesdiensten der Lukasgemeinde und deren Festen, bei den Bläserkonfirmationen, den Hochzeiten von Bläserinnen und Bläsern des Chors sowie den Taufen des Nachwuchses der Chormitglieder. Eine der Hochzeiten führte führte den Chor im Jahr 2001 in die Stuttgarter Schlosskirche, in deren erlauchtem und akustisch eindrucksvollem Ambiente das Musizieren zu einem besonderen Erlebnis wurde. Über Jahrzehnte schon werden auch die Gottesdienste der evangelischen Gesamtkirchengemeinde am Himmelfahrtstag auf dem Schlossberg und den Gerlinger Friedhöfen am Ewigkeitssonntag musikalisch begleitet. Langjährige Tradition hat mittlerweile auch die Mitwirkung beim Gottesdienst zum Seefest des FC Gehenbühl sowie bei der Weihnachtsfeier der Klinik Schillerhöhe für deren Bediensteten und Patienten.

Im Frühsommer 2010 konnten bei einer groß angelegten Werbeaktion mehr als ein Dutzend Jungbläser gewonnen werden, die seitdem regelmäßig jeden Freitag für 1½ Stunden zu Bernhardt Klein in Unterricht und Probe kommen. In Zusammenarbeit mit Michael Schober wird darauf geachtet, dass neben der Entwicklung der musikalischen Fähigkeiten der Spaß in der Gruppe nicht zu kurz kommt.

 

Am 1. Adventssonntag 2010 brachten die Jungbläser im Rahmen des Gemeindetags im Advent erstmals ihr musikalisches Können öffentlich zu Gehör. Die beachtliche Darbietung lässt erwarten, dass sie alsbald die altgedienten Bläser verstärken können und der Posaunenchor bei weiterhin so erfolgreicher Jungbläserausbildung noch lange Zeit als lebendiger Teil der Lukasgemeinde erhalten bleibt.

Ein Chor mit Zukunft

 

 

Eckart Scholl