Presseschau

 

Aus der Stuttgarter Zeitung, 14. November 2005

Sparzwang der Evangelischen Landeskirche sorgt für Aufregung

Ditzinger Bezirkssynode berät Kürzungen, die der Pfarrplan 2011 vorsieht - Schöckingen, Gerlingen, Kallenberg und Korntal sind betroffen

Ditzingen. Die Evangelische Landeskirche muss sparen. Im Pfarrplan 2011 ist festgelegt, wie viele Pfarrstellen in Württemberg künftig zu besetzen sind. Im Bezirk Ditzingen soll eine eingespart werden.

Von Christine Bilger


"Es ist kein Thema, das wir uns selber ausgesucht haben", sagte die Dekanin Elisabeth Hege zu Beginn der Diskussion um den Pfarrplan 2011. Dieser Plan, erstellt von der Landessynode, sieht vor, dass bis zum Jahr 2011 in Württemberg 70 Pfarrstellen gestrichen werden müssen, eine davon im Bezirk Ditzingen. Am Freitagabend informierte der Kirchenbezirksausschuss über seinen Lösungsvorschlag. Die Dekanin betonte, es sollte keine einzelne Stelle ganz abgebaut werden. Darum verteilt sich die Reduktion nun auf vier Gemeinden. In Schöckingen, Kallenberg, Korntal und in Gerlingen (Lukasgemeinde), so der Vorschlag, würde eine Kürzung um je 25 Prozent das vom Kirchenparlament geforderte Ergebnis bringen. Die Kallenberger Stelle würde mit der Münchinger - beide hätten dann 50 Prozent - zusammengelegt und die Gemeinde von Münchingen aus betreut.

Diesem Kürzungsvorschlag gingen lange Rechenwege voran. Der Kirchenbezirksausschuss ermittelte den Bedarf der einzelnen Distrikte im Bezirk. Dabei spielten neben der Zahl der Gemeindeglieder auch die Zahl der Kirchengemeinden und Gottesdienststellen in den Kommunen, die Religionsunterrichtsstunden sowie Kindergärten, Nachbarschaftshilfe und Altenpflegeheime, die zu betreuen sind, eine Rolle.

In der Diskussion wurde sehr schnell deutlich, dass die betroffenen Gemeinden von einem ganz anderen Bedarf ausgehen, als es die Rechnungen ergaben. Der Gerlinger Pfarrer der Lukasgemeinde, Jens Keil, wurde deutlich: "Wir in der Lukasgemeinde sind betroffen, frustriert und traurig", sagte er. Die Gerlinger Lukasgemeinde beschrieb der Seelsorger als eine besonders aktive Gemeinde. Überdurchschnittlich viele ehrenamtliche Mitarbeiter gebe es dort, vor allem in der Jugend. Keil berichtete auch vom Gerlinger Modell. Vor fünf Jahren hat die Lukasgemeinde Aufgaben der benachbarten Petrusgemeinde übernommen. Hintergrund war, dass die Petrusgemeinde an Stelle der Lukasgemeinde eine Kürzung hinnahm. Der Pfarrer der Petrusgemeinde, Wilfried Braun, zeigte ebenfalls kein Verständnis. Vor allem nicht dafür, dass die Freiwilligkeitsleistung von vor knapp fünf Jahren nun nicht zum Vorteil für die Gesamtkirchengemeinde gereichen werde.

Wie in Gerlingen so sei auch in Korntal die Situation nicht mit Zahlen wiederzugeben, betonte der Pfarrer an der Christuskirche, Andreas Löw. Seit dem Jahr 2000 ist dort die Zahl der Gemeindeglieder "nach oben geschnellt", weil der Vertrag mit der Brüdergemeinde aufgehoben wurde, die ei