Stellungnahme Braun

 

Auch Pfarrer Braun von der Petrusgemeinde nahm in der Bezirkssynode Stellung zu den Vorschlägen des Sonderausschusses.

 

Liebe Synodale,

erlauben Sie mir, anschließend an die Worte meines Kollegen aus der Gerlinger Lukaskirchengemeinde ein Votum für die Gerlinger Gesamtkirchengemeinde abzugeben, wie es aus den Beratungen in der Gesamt-KGR-Sitzung vor zwei Wochen hervorgegangen ist:

Wir verkennen nicht, dass in Zeiten knapper Kassen auch unpopuläre Entscheidungen notwendig sind. Dass wir in Gerlingen in der Lage sind, schmerzliche Einschnitte solidarisch zu meistern, haben wir im Rahmen des Pfarrplans 2006 mit der Umsetzung einer 50%-igen Reduktion in Gerlingen-Petrus bewiesen. Dadurch erst war es möglich, in Markgröningen um 50% aufzustocken. Im Nachhinein habe ich mich manchmal gefragt, ob die freiwillige Vorleistung, die Gerlingen-Petrus damals auch zugunsten der 100%-Stelle in der Lukasgemeinde erbracht hat, nicht ein Fehler war, hat sie uns doch für die Pfarrplanrunde 2011 anstelle eines erhofften Bonus für die Petrusgemeinde ein rechnerisches zusätzliches Minus an Stellenanteilen beschert. Im Kirchengemeinderat in Petrus hat man mich seinerzeit vor einer solchen Folge gewarnt. Ich habe das Solidaritätsopfer damals durchgesetzt im festen Vertrauen darauf, dass der Kirchenbezirk so fair sein würde, damit nicht eine dauerhafte Schädigung unserer Ausgangslage zu zementieren. Nun sehe ich mich widerlegt.

Aber lassen Sie mich Ihnen kurz vor Augen führen, was sich in Gerlingen insgesamt in den letzten 10 Jahren pfarrstellenmäßig getan hat.

Da ist zunächst die Klinikpfarrstelle. Auch wenn diese für den Pfarrplan nicht direkt relevant ist, so ist sie doch, durch enge Anbindung an die Matthäus- und die GesamtKgde im Bewusstsein der Gerlinger sehr präsent. 1997 wurde die Klinikpfarrstelle Schillerhöhe von 100% auf 50% reduziert trotz des Einspruchs der Matthäusgemeinde, die darin von Anfang an eine unzumutbare Kürzung angesichts der schweren Erkrankung vieler Patienten in der Klinik Schillerhöhe sahen. Die Situation verschärfte sich als zusätzlich zur Schillerhöhe die neurologische Reha- Kliniken Schmieder gebaut wurde und die seelsorgliche Betreuung aller Patienten anstand. Durch den großen Einsatz der Klinikpfarrerin und die konzertierte Aktion von Matthäusgemeinde, Gesamtkirchengemeinde, Stadt Gerlingen sowie Firmenspenden wurde es möglich, für drei Jahre die Finanzierung von 25 Stellenprozenten fürs Klinikpfarramt zu sichern. Anschließend wurde vom OKR wenigstens ein Teil der Reduktion zurückgenommen und der Stellenumfang für beide Kliniken auf nunmehr 75% festgesetzt.

Als nächste Kürzungsmaßnahme traf die Matthäusgemeinde die Umsetzung des sogenannten Rümelin-Plans Mit dem Weggang von Pfarrer Dr. Hermle wurde die Matthäusstelle um 25 auf 75% gekürzt. Das war in 2001.

 

Die dritte Kürzung traf uns bereits ein halbes Jahr später. Sie sollte noch einschneidender sein und alle Kräfte der Solidarität im neu geschaffenen Gerlinger Modell auf die Probe stellen. Wir rangen uns gemeinsam und schwersten Herzens dazu durch, in Petrus auf 250% zu kürzen, obwohl die Gemeinde rechnerisch Anspruch auf 275% gehabt hätte.

Dass diese Zahl nicht nur eine theoretische Größe ist, sondern bis heute ein gutes Stück Wirklichkeit abbildet, haben wir im Sonderausschuss – und ich fasse mich dabei an der eigenen Nase – bisher zu wenig in den Blick genommen.
Zwar haben wir in mehreren Besprechungsrunden sehr genau im Auge gehabt, dass eine geschäftsführende Pfarrstelle in Markgröningen mit 2400 Gemeindegliedern nicht akzeptabel wäre. Dass aber eine 50% - Pfarrstelle in Gerlingen Petrus West mit über 1.400 Gemeindegliedern nach Rückgabe der nach Lukas ausgelagerten Religionsunterrichtsstunden eine mindestens genausogroße Härte darstellt, haben wir zu wenig bedacht.

Insgesamt kann man gewiss ohne Übertreibung sagen: Kein anderer Distrikt hat in den letzten Jahren auch nur annähernd so große Kürzungsleistungen erbracht wie der unsere. Auch hat es bislang, soweit ich sehe, keine Bezirksgemeinde gegeben, die freiwillig zugunsten einer Nachbargemeinde auf das ihr zustehende Recht verzichtet hätte.

Wenn nun das alles für nichts gelten soll und wir über den gleichen Kamm geschoren werden, wie andere, die in all diesen Jahren nicht annähernd solche Kürzung umgesetzt haben,
dann ist das ein Schlag ins Gesicht für alles, was wir seither im Geist von Rücksichtnahme, freiwilligem Verzicht und gegenseitiger Solidarität untereinander und gegenüber dem Kirchenbezirk erbracht haben.
Die Botschaft für die Zukunft wäre klar: Auch in der Kirche musst du für dein Recht kämpfen bis zuletzt. Wenn aber diese Erkenntnis sich unter uns breit machen würde, dann hätten wir weit mehr verloren als gewonnen.

Eine Anmerkung noch zum Schluss, mit der ich an Impulse meines Vorredners anknüpfe:
Wir haben m.E. die Zeit seit der letzten Pfarrplanrunde vor fünf Jahren zu wenig genutzt, um kreativ neue Konzepte in Sachen bezirkliche Pfarrstellenplanung zu entwickeln. Wir sollten den gleichen Fehler nicht noch einmal machen, sondern jetzt damit beginnen, zu überlegen, ob wir nicht z.B. das aus der Gebäudeplanung bekannte und bewährte Unterstützungsinstrument des 10%-igen Bezirkszuschusses auch für den Bereich der Personalplanung aufbauen müssten.
Auch wäre es einige zusätzliche Gedanken wert, ob nicht größere pfarramtliche Bezirksaufgaben wie z.B. die Begleitung der Jugendarbeit mit eigenem Prozentanteil ausgewiesen und flexibel Gemeinden zugeordnet werden sollten.
Deshalb bin ich sehr dafür, den jetzt vorliegenden Vorschlag des Pfarrplansonderausschusses als Beginn eines breiten Diskussionsprozesses bis zur nächsten Bezirkssynode zu verstehen und nicht bereits als dessen Ende.

Ich danke Ihnen.