Stellungnahme des Kirchengemeinderats der Lukaskirche

 

Liebe Gemeindemitglieder,


bevor Sie es in der Zeitung lesen, sollen Sie es von uns erfahren: Ein Sonderausschuss wird in der Ditzinger Kirchenbezirkssynode am 11. November vorschlagen, die Pfarrstelle der Lukasgemeinde und die von drei anderen Gemeinden des Kirchenbezirks um jeweils 25 Prozent zu reduzieren. Die Reduzierung soll wirksam werden, wenn Pfarrer Keil die Lukasgemeinde verlässt.

Was ist der Pfarrplan 2011?


Mit dem Pfarrplan versucht die Evangelische Landeskirche in Württemberg die voraussichtliche Zahl an Pfarrstellen zu berechnen, die die Landeskirche in der Zukunft finanzieren und besetzen kann.
Angesichts der aktuellen Lage und den letzten Prognosen hat die Landessynode (das gewählte Kirchenparlament) eine Streichung von rund 70 Pfarrstellen (von insgesamt: 1476 in Württemberg) beschlossen.

Gründe dafür sind:

 

- Kirchensteuer zahlt nur wer Einkommenssteuer zahlt. Durch die Senkung der Einkommenssteuer in der Steuerreform hat die Kirche Steuerausfälle in Millionenhöhe zu beklagen.

- Streichungen von einkommenssteuerpflichtigen Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld etc.

- Arbeitslose zahlen keine Einkommenssteuer und somit auch keine Kirchensteuer. Hohe Arbeitslosigkeit heißt hohe Kirchensteuerausfälle.

- Nach der Pfarrerschwemme in den 80er und 90er Jahren studieren kaum noch junge Leute Theologie. Ein Pfarrermangel bahnt sich an.

 

Die finanzielle Lage der Landeskirche ist dramatisch. Aufgrund der Kirchensteuerrückgänge müssen jährlich 40 Millionen Euro gespart werden. Die Personalkosten machen über 75 Prozent des Haushalts aus.

Wer entscheidet wann was?

Die Reduzierung der Pfarrerstellen wird nicht "von oben" entschieden, also von Leuten, die "keine Ahnung haben, was unten so läuft", sondern muss von "uns" im Kirchenbezirk Ditzingen beschlossen werden. Die festgesetzten 70 Stellen wurden auf die 51 Kir-chenbezirke verteilt und zwar in Abhängigkeit von Größe, Gemeindegliederzahlen und besonderen Aufgaben. Auf den Kirchenbezirk Ditzingen, zu dem die Lukasgemeinde gehört, entfällt die Einsparung einer Pfarrstelle (von 21 Stellen).

Darüber zu entscheiden, wo die Stelle eingespart werden soll, hat die Bezirkssynode, zu dem jede Gemeinde die Pfarrer und Pfarrerinnen sowie je nach Größe eine festgelegte Anzahl von Kirchengemeinderäten entsendet. Delegierte der Lukasgemeinde sind Annemarie Schönfeld und Pfarrer Jens Keil.

In der Bezirkssynode am 11. November wird ein Sonderausschuss nun den Vorschlag machen, dass die Einsparung von einer Pfarrstelle durch die Reduzierung von 4 Pfarrerstellen um jeweils 25 Prozent erreicht werden soll, darunter auch die Pfarrstelle der Lukasgemeinde.

Endgültig beschlossen wird die Streichung in der Märzsynode 2006.

 

Warum soll es die Lukasgemeinde treffen?

Die Lukasgemeinde ist drastisch geschrumpft. 1989 lebten im Gehenbühl fast 1700 evangelische Christinnen und Christen. Heute sind es noch 1250 Lukasgemeindemitglieder. Das liegt nur bedingt an den Kirchenaustrittszahlen (rund 15 pro Jahr), die zum Teil ja durch Wiederaufnahmen und Taufen wieder ausgeglichen werden. Vielmehr schrumpft die Lukasgemeinde, weil die zuziehende Generation andere Wohnansprüche stellt. Wohnten früher zwei bis drei Familien in einem Haus, so ist es heute noch eine Familie, die die Wohneinheiten zusammen gelegt hat.

Klar ist: Ein Pfarrer hat in der Lukasgemeinde genug Arbeit. Es gibt viel zu tun und es liegen mehr Ideen auf dem Tisch als umgesetzt werden können. Die durchschnittliche Größe einer Kirchengemeinde in Württemberg umfasst allerdings rund 1800 Kirchengemeindeglieder pro Pfarrstelle. Das sind 450 Mitglieder mehr als in der Lukasgemeinde.
Zur Erinnerung: Eigentlich hätte die Pfarrstelle der Lukasgemeinde schon mit dem Weggang von Pfarrer Boy um 25 Prozent gekürzt werden sollen. Nach langen Verhandlungen hat die Petrusgemeinde sich bereit erklärt, stellvertretend für die Lukasgemeinde auf eine Viertel-Pfarrstelle zu verzichten. Zum Ausgleich hat der Pfarrer der Lukasgemeinde mehr Schulunterricht an einer Gerlinger Schule zu unterrichten (8 Stunden).

Diese Solidarität der Petrusgemeinde ist ohne Beispiel und kann nicht genug gewürdigt werden.

Das weitere Vorgehen

Der Gemeinsame Ausschuss der Gerlinger Gesamtkirchengemeinde ist am 6. Oktober durch die Dekanin von dieser Entwicklung in Kenntnis gesetzt worden. Der Kirchengemeinderat (KGR) hat auf dem Kirchengemeinderatswochenende das geplante Thema abgesetzt und sich ausgiebig Zeit genommen, die Situation zu analysieren.

 

- Der KGR bedauert die Entwicklung. Die Lukaskirchengemeinde ist eine lebendige Kirchengemeinde, die durch ihr Engagement wesentlich zum Leben im Gehenbühl beiträgt. Der Gottesdienstbesuch, das Engagement von Ehrenamtlichen, die Zulaufszahlen in der Jugendarbeit sowie in anderen Bereichen sind überdurchschnittlich und entsprechen keinesfalls einer "Drei-Viertel-Gemeinde".

- Der KGR legt Wert auf die Feststellung, dass Gerlingen als Gesamtkirchengemeinde durch die Sparmaßnahmen besonders hart getroffen wurde und wird: 2001 wurden die Klinikpfarrstelle auf der Schillerhöhe sowie die Pfarrstelle der Matthäusgemeinde um jeweils 25 Prozent gekürzt. Bis 2006 hatte die Petruskirchengemeinde auf 50 Prozent Pfarrstelle zu verzichten. Nun trifft es die Pfarrstelle der Lukasgemeinde, deren Reduzierung Konsequenzen für die Gesamtkirchengemeinde hat. Die Schulstunden, die der Pfarrer der Lukasgemeinde für die Petrusgemeinde gehalten hat, fallen wieder auf diese zurück. Gerlingen hat eine blühende Gemeindearbeit. Für die Menschen, die diese Arbeit tun, ist das nur wenig motivierend.

- Der KGR nimmt ebenfalls zur Kenntnis, dass die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen und es sehr schwer sein wird, die Reduzierung zu verhindern. Auch kann der KGR an-hand der Zahlen nicht sehen, welche Kirchengemeinde im Kirchenbezirk Ditzingen es "mehr verdient", reduziert zu werden.

- Der KGR wird in der Bezirkssynode sein Bedauern zum Ausdruck bringen. Weiterhin wird er nach Alternativen suchen und sie in die Synode einbringen. Die Synode fordert er auf, ihrerseits alle Möglichkeiten zu prüfen, die eine Reduzierung der Pfarrstelle in der Lukasgemeinde verhindern könnten.

 

 

Der Kirchengemeinderat