Aus der Geschichte der Lukasgemeinde

Die Pfarrer der Lukaskirchengemeinde: Rainer Boy, Thomas Utz, Jens Keil und Hans Matthes

Seit 1954 entstand in rascher Baufolge an der östlichen Markungsgrenze von Ger-lingen der Stadtteil Gehenbühl; insbesondere siedelten sich zunächst Heimatvertriebene aus dem Baltikum, der CSFR, aus Polen, Jugoslawien, Rumänien, Ungarn und Bessarabien an. Im Zuge der Ausdehnung des Großraumes Stuttgart wuchs diese Siedlung bis 1967 auf 5100 Einwohner an, darunter ca. 2800 evangelische.

Die räumliche Trennung von Gerlingen führte dazu, dass im Januar 1958 im Hause der Familie Rathlef im Ganswiesenweg ein eigener Gottesdienstraum eingerich-tet wurde, der 1960 durch den von der Stadt zur Verfügung gestellten Kinder-garten in der Blumenstraße abgelöst wurde. 1958 entstand auf Veranlassung von Pfarrer Dippon ein Kirchbauverein, der von Familie Zimmermann ein günstig gelegenes Grundstück für einen Kirchbau erwarb. Den 1. Preis im Architekten-Wettbewerb für diesen 1962 durch den Evang. Oberkirchenrat genehmigten Bau gewann 1964 Dr.-Ing. Walter Ruff, Stuttgart-Degerloch, der zusammen mit Archi-tekt Kurt Selter aus Gerlingen-Gehenbühl seit August 1965 den Bau des Gemeindezentrums durchführte. Vom 1. Spatenstich bis zur Einweihung vergingen fast genau 22 Monate.

Erst seit dem 1. Januar 1965 ist die Lukaskirchengemeinde, die zuvor Teil der Petrusgemeinde Gerlingen war, selbständig; am 1. Januar 1967 wurde die seitherige Pfarrverweserei an der Lukasgemeinde in eine ständige Pfarrei umgewandelt. Pfarrer dieser Gemeinde waren seit 1958: Pfarrer Schmid, Pfarrer Stahl, Pfarrer Graef und Pfarrverweser Seils. Mit der Einweihung des neuen Pfarrhauses im Herbst 1967 wird die erste Zeit des Gemeindeaufbaus abgeschlossen sein. «

So beschreibt Eugen Grosch den Beginn der Lukasgemeinde in der Festschrift zur Einweihung der Lukaskirche. 25 Jahre sind seit dieser Zeit vergangen. Aus der Baustelle, aus den Anfängen hat sich ein blühendes Gemeindeleben entwickelt. Der damalige Pfarrverweser Herr Seils schreibt in der Festschrift vor 25 Jahren: »Das Haus, das den Namen des missionarischen Evangelisten Lukas trägt, wird daher jedermann offen stehen und ein Haus für die vielen sein, nicht das Refugium einer kleinen Schar. Es hat eine weite Tür, es soll, wie es das Umschlagbild zeigt, mitten im Acker dieser Welt stehen und sich wohl auch in wenig ansehnlichen Gefilden spiegeln. «

Die Gefilde sind schöner geworden und werden zurzeit schöner, der damalige Bauplatz oder Acker um die Kirche herum zeigt sich von seiner schönsten Seite. Vor der Kirche ist ein wunderschöner Platz entstanden, den die Stadt zum 25jährigen Jubiläum der Kirche gestaltet hat. Und hinter der Kirche ist die schöne Wiese erhalten, eine grüne Lunge der Stadt, von der wir hoffen, dass sie so bleibt. Im Frühjahr und Herbst weiden dort Schafe und lassen die Kirche noch mehr zum Symbol werden, zum Symbol für den guten Hirten in der Welt, der mitten in dieser Welt in seiner Herde lebt und für sie da ist.

Dies deutlich zu machen und den Menschen zu sagen ist Aufgabe der Kirche, auch der Lukaskirche mit ihrer Gemeinde. Der gute Hirte lebt unter euch und geht mit euch durch die Zeiten.

Seit nunmehr 25 Jahren versucht das die Lukasgemeinde auf verschiedenste Art und Weise zu verkündigen. Eine Baustelle ist die Gemeinde geblieben, nicht nur äußerlich, aber auch das. Ein Anbau an das Gemeindezentrum wurde nötig. Das Pfarrbüro ist unentbehrlich geworden. Die Verwaltungsarbeit nahm zu mit den Jahren, je größer, je aktiver die Gemeinde wurde. Dass neben der Pfarrstelle nun seit Jahren eine Sekretärin fest angestellt ist, leider nur für ein paar Wochenstunden, bedeutet eine große Hilfe für die Gemeindearbeit.

Dazu gehören die Menschen, die sich um das äußere Wohl der Kirche und des Gemeindezentrums kümmern, obwohl man das von der »inneren« Arbeit kaum trennen kann. Wer heute Kirche und Gemeindezentrum betritt, fühlt sich wohl und geborgen, auch deshalb, weil über die Jahre hinweg immer wieder Menschen gefunden wurden, die im Haus schalten und walten.
»Die ganze bauliche Gestaltung nach außen hin und nach innen trägt den Stempel großer Bescheidenheit und wirklicher Zurückhaltung« so schrieb bei der Einweihung der Architekt des Gemeindezentrums Dr.-Ing. Walter Ruff. Dass man sich bis heute in dem Haus sehr wohl fühlt ist Zeugnis großer Liebe, mit der die Menschen, vom Kirchengemeinderat angefangen bis hin zu den verschiedensten Angestellten, mit den ihnen anvertrauten Räumlichkeiten umgehen.

Vieles hat sich verändert an den äußeren Baulichkeiten. Angefangen beim schon erwähnten Anbau des Pfarrbüros im Jahr 1984 seien erwähnt: Die Gestaltung des Foyers zu einem gemütlichen Treffpunkt; der Ausbau der Küche, die keine Teeküche mehr ist, wie in der ersten Festschrift erwähnt, sondern eine voll funktionsfähige Großküche, in der am Gemeindefest bis zu 400 Essen hergestellt werden können. Unter der Kirche hat sich die Jugend ein weiteres Zuhause geschaffen. Einen rustikalen Raum, in dem man ungestört auch laute Musik hören kann. Unter der Kirche. unter den »Fittichen« der Kirche soll sich die Jugend wohl fühlen.

In den letzten Jahren wurden die Bänke der Lukaskirche gepolstert und die Sakristei neu gestaltet. Zu dem neuen Vorplatz kamen die notwendig gewordene Sanierung der Ostfront der Lukaskirche und eine neue Verglasung. Dass der Beton der Kirche, vor allem am Turm, der Sanierung bedarf, ist dem Kirchengemeinderat bekannt.

Die Kirche und das Gemeindezentrum bleiben eine Baustelle. An einem so großen Gebäude, das Pfarrhaus mit eingeschlossen, ist immer irgendwo zu renovieren und zu sanieren, zu gestalten, zu verschönern. Nicht vergessen werden soll die Vervollständigung des Geläuts auf dem Turm. Zum 25jährigen Jubiläum der Lukaskirche wird die 4. Glocke fertig gestellt. Nicht unumstritten war die Anschaffung der 3. + 4. Glocke in der Kirchengemeinde. Die Frage, ob in unserer Zeit dafür Geld zur Verfügung gestellt werden sollte, bewegte die Gemüter. Doch der Wille einzelner Gemeindeglieder, die dafür Mittel und Gelder aufbrachten, war groß. Alles Tun, auch das einer Kirchengemeinde, wird unter der Frage stehen, ob es richtig war, oder ob nicht anderes wichtiger gewesen wäre. Auch in einer Kirchengemeinde leben Menschen, die nur menschliche Entscheidungen treffen.

Pfarrer Rainer Boy in der Festschrift zum 25jährigen Jubiläum